Reboarder – bis wann sollten Kinder rückwärts fahren?

Wir erleben in unseren Fachgeschäften täglich Eltern, die überlegen, ihr Kind schon mit 2 oder 3 Jahren in einen vorwärts gerichteten Kindersitz wechseln zu lassen oder den vorhandenen Reboarder in Fahrtrichtung zu drehen. Häufig hören wir Sätze wie „Die Beine sind doch schon viel zu lang“ oder „Unser Kind möchte lieber nach vorne schauen“. Genau an diesem Punkt entsteht oft Unsicherheit – und vielleicht seid ihr euch zu zweit auch nicht ganz einig: Wie lange sollte euer Kind wirklich rückwärts fahren, und was empfehlen Experten für die Sicherheit im Auto?

Die Kurzantwort: Kinder sollten idealerweise mindestens bis zum Alter von vier Jahren rückwärts gerichtet fahren. Reboarder schützen Kopf, Nacken und Wirbelsäule deutlich besser als vorwärts gerichtete Kindersitze. Viele moderne Reboarder ermöglichen sogar ein rückwärts gerichtetes Fahren bis etwa sechs oder sieben Jahre (125 cm) – abhängig von Körpergröße und Sitzmodell.

Häufige Fragen auf einen Blick

Bis wann muss unser Kind rückwärts fahren?

Gesetzlich vorgeschrieben sind in Europa mindestens 15 Monate. Experten empfehlen wegen des im Verhältnis sehr schweren Kopfes von Babys und Kleinkindern jedoch, mindestens bis zum vierten Geburtstag entgegen der Fahrtrichtung zu fahren. (→ Link: „Kindersitznorm ECE R129 einfach erklärt“)

Nein. Kinder sitzen oft deutlich flexibler als Erwachsene und empfinden angewinkelte Beine meist nicht als störend. Mehr dazu weiter unten in unserer Beratungspraxis.

Ja! Die meisten Kinder können seitlich und nach hinten problemlos sehen. Das hängt aber auch von der Sitzhöhe ab – also davon, wie hoch die Rückenlehne eures Fahrzeugs ist und welchen Kindersitz ihr wählt. Gerne erklären wir euch in der Beratung, welche Sitze für euer Auto diesbezüglich am besten geeignet sind.

Spezialtipp: Entfernt die Fahrzeugkopfstütze gegenüber eurem Kind und befestigt – falls vorhanden – einen Spiegel an der Mittelkopfstütze.

Ja! Bei einem Frontalaufprall werden die Kräfte um ein Vielfaches besser abgefangen: Sie verteilen sich über die Sitzschale auf den ganzen Rücken – dort, wo der Körper am meisten aushält. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Natürlich kommt es manchmal vor, dass sich Kinder während der Autofahrt übergeben – die allermeisten haben aber gar keine Probleme damit. Wenn es in der Babyschale kein Thema war, warum sollte es beim nächsten Sitz plötzlich eines werden? Echte Reisekrankheit, wie wir Erwachsenen sie kennen (und zwar oft unabhängig von der Fahrtrichtung!), entwickelt sich meist erst im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren – da fahren die allermeisten Kinder ohnehin nicht mehr rückwärts.


Auch bei unseren eigenen Kindern kam das vor. Vorwärts zu fahren wäre für uns trotzdem nie in Frage gekommen: Wir tauschen die Sicherheit unserer Kinder nicht gegen Bequemlichkeit ein.

Warum Reboarder so viel sicherer sind

  • Schwerer Kopf, schwacher Nacken: Der Kopf eines Kleinkindes macht etwa 25 % des Körpergewichts aus, bei Erwachsenen sind es nur noch 6 %. Mit drei Jahren sind es immer noch circa 18 %, mit vier Jahren etwa 16 %. Dazu kommt: Die Nackenmuskulatur ist noch nicht vollständig entwickelt, und die Wirbelkörper haben eine ganz andere Form als bei Erwachsenen – sie sind deshalb viel verletzungsanfälliger.
  • Frontalunfälle sind die häufigste Unfallart: Mit fast 75 % machen sie den größten Teil der Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen aus. Im Reboarder werden die enormen Kräfte zuverlässig über die Sitzschale aufgefangen und auf den ganzen Rücken verteilt. Die Belastung für den Nacken liegt dadurch deutlich unter der in einem vorwärts gerichteten Sitz.
  • Auch bei Heck- und Seitenaufprall sicherer: Heckunfälle machen in der Statistik weniger als 1 % aus – der Kofferraum bietet viel Raum, um Kräfte aufzunehmen. Bei Seitenaufprällen (etwa 25 % der Unfälle) wird euer Kind im Reboarder komplett in die Schutzzone des Sitzes gedrückt, bevor es zum Aufprall kommt. Sitzt es vorwärts, befindet sich der empfindliche Kopf möglicherweise größtenteils außerhalb der Kopfstütze.

Wir sind deshalb ganz klar Team rückwärts gerichtet.

Aus unserer Beratungspraxis

Eine der häufigsten Sorgen von Eltern betrifft die Beinlänge. Viele glauben, ihr Kind sitze im Reboarder unbequem, sobald die Beine angewinkelt werden müssen. Anatomisch ist das bis etwa sieben Jahre jedoch kein Problem – angehockt und gespreizt ist sogar die natürliche Position für eine gesunde Hüftentwicklung. Schließt deshalb nicht von euren eigenen Bedürfnissen auf euer Kind: Es ist viel biegsamer, als wir Erwachsenen uns überhaupt vorstellen können.

Auch bei unseren eigenen Kindern erleben wir, dass sie die Beine seitlich ablegen, im Schneidersitz sitzen, einfach anhocken oder nach oben ausstrecken – oder eine Mischung aus allem. Beschwerden über die Sitzposition hören wir deutlich seltener, als Eltern vermuten würden. Schaut doch mal, wo euer Kind im Kinderwagen oder Buggy die Beine ablegt: Oft werden sie von innen gegen den Bauchbügel gedrückt und sehr selten dorthin, wo der Designer die Beinauflage platziert hat. Und das ganz ohne Platznot 😉

Pro-Tipp aus unserem Elternalltag: Stellt nicht unnötig viel Beinfreiheit ein, auch wenn der Kindersitz es zulässt. Erreicht euer Kind mit den Füßen die Rückenlehne des Fahrzeugs noch nicht, steckt dort ein Kissen oder ein zusammengerolltes Handtuch hin. So kann es seinen Raum erspüren und Halt finden – das mögen Kinder sehr gerne und suchen oft sogar gezielt danach.

Die Kopfstütze ist oft zu hoch eingestellt: In unseren Beratungen stellen wir häufig fest, dass Kinder noch problemlos mehrere Jahre rückwärts fahren könnten, obwohl die Eltern bereits einen Wechsel auf einen vorwärts gerichteten Sitz planen. Das liegt oft an der Babyschale: Von dort habt ihr noch im Kopf, dass der Kopf oben nicht über die Kante herausschauen darf, und stellt die Kopfstütze am Kindersitz deshalb viel zu hoch ein. Allein anhand der Körpergröße wissen wir dann oft schon im Voraus, dass euer Kind eigentlich kaum aus dem Sitz herausgewachsen sein kann, und stellen die Kopfstütze gerne korrekt ein. Uns geht es vor allem um die Sicherheit eures Kindes – nicht darum, schnellen Umsatz mit dem nächsten Sitz zu machen.

Diese Fehler sehen wir am häufigsten

  1. Zu früher Wechsel auf den Folgesitz
  2. Falscher Einbau im Auto
  3. Orientierung an den Beinen statt an der Sicherheit
  4. Kauf nur nach Alter, Größe oder Testnote: Wenn der am besten getestete Sitz nicht zu eurem Kind und eurem Auto passt, habt ihr am Ende doch nicht die maximale Sicherheit.
  5. Sitz ohne Beratung, Probeeinbau und Probesitzen kaufen: Auch ein Zweitsitz, der „günstig online geschossen“ wird, sollte vorher passen.

Dazu kommen weitere typische Stolpersteine: zu locker angeschnallte Kinder, zu früh entfernte Verkleinerer, falsche Einstellungen, dicke Jacken oder Schneeanzüge unter den Gurten, nur ein Body im Sommer, Beeinflussung durch andere Eltern („Wir sind die Einzigen, die noch rückwärts fahren!“) oder „Bei der Oma fährt unser Kind ja nur kurze Strecken“ – der Unfall weiß das nicht!

Und noch etwas, das zum Glück nicht häufig vorkommt, aber doch zu oft, um es nicht zu erwähnen: Bitte lasst eure Kinder niemals allein im Auto, auch nicht für einen kurzen Moment. Die Temperaturen im Innenraum können schon ab etwa 17 Grad Außentemperatur gefährlich ansteigen.

Fazit

Wenn Körpergröße und Sitzmodell es zulassen, sollten Kinder möglichst lange rückwärts fahren. Die Empfehlung vieler Sicherheitsexperten liegt bei mindestens vier Jahren.

In einer Fachberatung finden wir schnell heraus, welche Lösung zu eurem Kind und eurem Fahrzeug passt. Wir kennen unser Sortiment sehr genau und stimmen die Beratung auf eure Bedürfnisse und euren Kenntnisstand ab. Bei einem persönlichen Termin bauen wir die Sitze direkt in euer Auto ein, damit ihr vergleichen könnt, wie Einbau, Handling und Passform zu euch und eurem Kind passen. Kommt am besten zu zweit vorbei, dann könnt ihr beide alles ausprobieren und gemeinsam eine informierte Entscheidung treffen. Profitiert von unserer jahrelangen Expertise und lasst euch von uns durch den Dschungel an Informationen helfen.

Seid ihr unsicher, welcher Reboarder zu eurem Kind und eurem Fahrzeug passt?

Sichert euch direkt euren individuellen Beratungstermin in einem unserer Kindersitzkosmos-Fachgeschäfte in eurer Nähe und testet verschiedene Modelle direkt vor Ort.

Bild von Marion aus Karlsruhe

Marion aus Karlsruhe

Seit 2013 berate ich Familien rund um die sichere Beförderung von Kindern am Standort Karlsruhe. Gemeinsam mit meinem Team aus sieben BeraterInnen begleiten wir jedes Jahr mehr als 1500 Familien bei der Auswahl und dem fachgerechten Einbau von Babyschalen, Reboardern und Kindersitzen.

Was unsere Beratung besonders macht: Wir sind nicht nur Fachberater, sondern selbst Eltern von Kindern zwischen 1 und 17 Jahren. Viele Fragen, Sorgen und Herausforderungen, die uns im Beratungsalltag begegnen, kennen wir aus eigener Erfahrung. Deshalb legen wir großen Wert auf praxisnahe Empfehlungen statt pauschaler Aussagen.

Kindersitzkosmos Karlsruhe

  • Seit 2013 vor Ort
  • Persönliche Beratung mit Termin
  • Probeeinbau im eigenen Fahrzeug
  • Babyschalen, Reboarder und Folgesitze live testen
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